Ein Großteil der Stadt Essen wurde im Zuge des zweiten Weltkrieges zerstört. Die Bedürfnisse der Nachkriegszeit nach funktionalen, schnell errichteten Bauten für möglichst geringe finanzielle Mittel prägen das heutige Stadtbild Essens.
STUDIO untersucht urbane und sozialkulturelle Strukturen in Essen. Wiederholungen architektonischer Merkmale, sich ähnelnde Fassaden und standardisierte Bauprinzipien lassen das Stadtbild auf den ersten Blick homogen wirken. Die Bildserie zeigt den Essener Norden, Süden, Osten und Westen.
Der Standpunkt der Rezipienten wird jedoch nach außen gelegt. So blickt der Betrachter nicht hinaus, sondern durch das Fenster in den Wohnraum hinein. Die Häuser werden zum Studio. Blumentöpfe oder Vorhänge wirken wie austauschbare Requisiten. Das Fenster öffnet eine weitere Bildebene und umrahmt portraitierte Bewohner. Je nach Position der Portraitierten fungiert die Häuserfassade als Vorderoder Hintergrund. Einige Menschen inszenieren sich im Raum, andere lehnen sich aus dem Fenster hinaus und einzelne bleiben hinter geschlossenen Fenstern im Verborgenen.
Die Bildkompositionen führen ein spannendes Wechselspiel aus Distanz und Nähe vor. Der Betrachter begibt sich auf eine kleine Reise durch Essens scheinbar homogene Bauwerke und begegnet dabei Bewohnern aus unterschiedlichen soziokulturellen Milieus. Die detaillierte Auseinandersetzung offenbart dabei nicht nur eine heterogene Gesellschaft, sondern auch eine subtile architektonische Diversität. Die Arbeit versucht weniger einen Querschnitt der Gesellschaft im Ruhrgebiet abzubilden, sondern vielmehr vor dem Hintergrund urbaner und sozialkultureller Strukturen das Studioportrait neu zu interpretieren.